
Der magische Roadtrip quer durch das gesamte Land führt dich von endlosen Sandstränden zu brodelnden Vulkan-Landschaften und von nebeligen Regenwäldern ins schroffe Hochgebirge. Neuseeland wirkt wie ein ganzer Kontinent in Miniaturformat!

Bucht der hundert Inseln
Dein Roadtrip quer durch Neuseeland beginnt in den idyllischen Orten der Bay of Islands. Diese sind gesäumt von vielen kleinen Cafés und Häusern im Kolonialstil. Paihia ist der beste Ausgangspunkt, um die paradiesischen Bucht zu erkunden, Bootstouren zu unternehmen oder durch die umliegenden Wälder zu wandern. Außerdem bietet sich ein Ausflug ans Cape Reinga, die nordwestlichste Spitze Neuseelands, an. Dieser Ort ist für die Māori, die Ureinwohner von Neuseeland, von größter Bedeutung. Hier verlassen laut ihrer Mythologie die Seelen ihrer Toten das Festland und machen sich auf den Weg nach Hawaiki, das Ahnenland und Jenseits. An dieser Stelle treffen jedoch nicht nur die Welten der Lebenden und Toten aufeinander, sondern auch die Tasmanische See und der Pazifische Ozean. Die Spitze des Kaps mündet in einer Aussichtsplattform. Von dieser ist gut zu erkennen, wie die beiden Gewässer in brausenden Wellen aufeinanderprallen. Durch die Zusammensetzung der Meere können sie sich nicht vermischen und es entsteht eine Trennlinie markiert durch verschiedene Blautöne und dem Weiß der Wogen.
Das hellste Licht im Dunkeln
Die nächste Station, die Waitomo Höhlen, liegen im südlichen Waitomo District der Nordinsel und lassen sich über die State Highways 1 und 3 erreichen. Der Name leitet sich aus Māori "Wai" (Wasser) und "Tomo" (Loch) ab. Und als ob die jahrtausendealten Formationen, die durch unterirdische Wasserströme in das Kalkgestein gewaschen wurden, nicht schon beeindruckend genug wären, wird natürlich noch ein Extra draufgesetzt – Standard in Neuseeland: Die Höhlen sind das Zuhause abertausender "Glowworms", diese Tierchen leben ausschließlich in Neuseeland; sie hängen von der Decke und produzieren leuchtende Fäden. Diese Biolumineszenz hüllt die komplette Untergrundformation in ein fast übernatürlich anmutendes Blau. Nach mehrfachem Augenreiben und Armzwicken ist klar: Dieser Ort ist real und nicht aus einem Traum! Aber auch für Adrenalinjunkies ist diese Station verlockend. Unter anderem kann hier Black-Water-Rafting betrieben werden. Waghalsige können sich in eine schier endlos wirkende Dunkelheit in den Ruakuri Höhlen abseilen oder aber du machst es dir auf einer Bootstour bequem und träumst vor dich hin, während die Wellen dich sanft schaukeln.


Immer der Nase nach
Von den Waitomo Höhlen aus folgst du dem Highway 3 bis zur Arapuni Road und anschließend dem Highway 5 in das 140 Kilometer entfernte Rotorua und hier heißt es wirklich: der Nase nach! Zugegeben, der Geruch an diesem Ort ist nicht der leckerste, allerdings weißt du genau, ob du auf der richtigen Route bist. Was anfänglich nur ein zarter Hauch von hartgekochten Eiern ist, wird stärker, je näher du kommst. Rotorua ist natürlich nicht bekannt für seine hartgekochten Eier, sondern für seine Schwefelfelder. Die Stadt wurde auf einem Vulkan erbaut und die heißen schwefligen Thermalquellen, die dadurch entstehen, werden als geheizte Becken zur Entspannung genutzt. In mehreren Nationalparks können diese in allen gelbgrünen Tönen vorhandenen Schwefelstellen aus nächster Nähe betrachtet – und noch viel besser gerochen – werden. In dieser außerirdisch anmutenden Kulisse, in der Geysire hohe Fontänen in die Luft sprühen und Nebelschwaden plötzlich auftauchen und wieder verschwinden, ist es schwer zu glauben, noch auf dem Planeten Erde zu sein. Und keine Sorge, an den Geruch gewöhnst du dich schnell!
Entspannung und Wanderlust am größten See des Landes
Nach den geruchsintensiven Tagen in Rotorua wird es Zeit für eine frische Brise. Dafür fährst du entlang des State Highway 5 und gelangst in etwa einer Stunde nach Taupo. Hier erstreckt sich vor deinen Augen der gleichnamige größte See des Landes. Eine Deutung des Namens Taupo leitet sich von "Tau" (zur Ruhe kommen) und "Po" (Nacht) ab. Und genau das solltest du auch an diesem malerischen Ort tun! Der See lädt zum Verweilen ein, im Hintergrund ertönt das Zwitschern von Vögeln und Weiden wehen leicht in der Brise. Während des Sonnenunterganges spiegelt sich dann die Sonne in ihren warmen Farben im Wasser – pure Glückseligkeit! Für die einzigartige Wanderroute Tongariro Alpine Crossing solltest du gut gestärkt sein, doch für jegliche Strapazen entschädigt die Natur. Die Strecke ist gleich zweifach von der UNESCO ausgezeichnet worden. Einmal aufgrund ihrer unglaublichen Naturschönheit, denn sie ist geprägt von Seen in giftgrün, brodelnden Vulkanen und Gipfeln in den Wolken. Andererseits jedoch wegen ihrer kulturellen Bedeutsamkeit für die Māori.


Das Küstenparadies
Zum Übersetzen von der Nord- zur Südinsel muss die Fähre von Wellington nach Picton genommen werden. Je nach gewählter Unterkunft im Abel-Tasman-Nationalpark variiert die Fahrzeit. Abenteurer und Abenteurerinnen können campen und sich im Sternenhimmel verlieren, die Gegend bietet aber auch komfortable High-End-Unterkünfte. Schier unendlich wirkende Sandstrände, Wasser in allen Türkis- und Azurnuancen, üppiges Grün und dicht bewachsene Hänge: Der Nationalpark im Nordwesten der Südinsel ist ein absolutes Küstenparadies. Lass dich von der Sonne küssen oder erkunde mit einem Katamaran die endlosen Weiten des Wassers, dabei segelst du an diversen Felsformationen aus Granit und Marmor vorbei. Die Fauna dieses Traumortes rundet das Erlebnis ab: Lausche den exotischen Klängen von allerlei Vögeln oder beobachte Pinguine und Robben, die nach Futter jagen oder sich auf den Felsen sonnen. Ob der Wunsch auf Erholung oder Abenteuer besteht, dieses Naturhighlight bietet beides, denn trotz all der Entspannungsmöglichkeiten, ist der Nationalpark auch für seine Wanderwege bekannt. Nach dem ein oder anderen Track liegt es sich auch gleich viel besser am Strand.


Leben im Einklang mit dem Meer
Folge dem State Highway 60, um bis Richmond zu kommen, dort biegst du auf den Highway 6 und wechselst anschließend auf den Highway 1. Diese Strecke führt dich durch die wild-romantische Nordspitze der Südinsel. Schon aus der Entfernung entdeckst du die schroffen schneebedeckten Gipfel, die Kaikoura umrahmen. Die Landzunge liegt umgeben von glitzerndem Wasser und kleine Häuschen reihen sich aneinander. Als einer der ersten Orte weltweit hat sich Kaikoura dem Ökotourismus verschrieben. Es liegt eine Betonung auf der Verbindung von Natur-, Arten- und Klimaschutz, denn neben dem Tourismus sind die größten Einnahmequellen dieser Region die Landwirtschaft und die Fischerei, insbesondere die Langusten. Kaikoura bedeutet in der Sprache der Māori so viel wie Essen und Languste. Diese Delikatesse sollte also unbedingt auf deinem Speiseplan stehen. Die Meerestiervielfalt hört allerdings nicht beim Essen auf. An der felsigen Küste tummeln sich Seebären, auch die majestätischen Wale machen hier regelmäßig Halt. Für alle Wasserratten wird zudem das Schwimmen mit Delfinen angeboten. Das maritime Ökosystem ist spektakulär und die Aussichten über die Landschaft und das Meer bezaubernd.
Den Sternen so nah
Der Weg von Kaikoura bis Twizel führt über den State Highway 1. Auf der knapp sechsstündigen Strecke gibt es viel zu entdecken. So bietet sich ein Stopp in Christchurch an. Die Großstadt ist Kulturzentrum und gilt gleichzeitig als Tor zur Antarktis, da viele Südpol-Expeditionen hier starteten. Anschließend wandert der Blick fernab der Großstadt zum Himmel. Das Sternbild Kreuz des Südens prägt die Flagge von Neuseeland und symbolisiert dessen Position auf der Südhalbkugel. Australiens Flagge ist sehr ähnlich, trägt jedoch sechs statt vier Sterne. Und wie so oft bei Nachbarn, gibt es natürlich den Streit, wer beim Anderen gespickt hat. Egal, welche Flagge zuerst da war, das Kreuz des Südens und viele weitere Sterne kannst du im vollen Glanze im Aoraki Mackenzie Lichtschutzpark beobachten. Die Lichtverschmutzung wird hier strengstens kontrolliert und so offenbaren sich einem die Milchstraße und unzählige Sterne. Mit viel Glück sind hier im Winter übrigens auch Polarlichter zu erspähen. Du solltest außerdem unbedingt auf den Mond achten, der steht hier nämlich Kopf. Die Phasen laufen genau gegensätzlich zu denen in der nördlichen Hemisphäre.


Naturgewalten zwischen Regenwald, Bergen und Fjorden
Über den State Highway 6 erreichst du das etwa sechs Stunden entfernte Fiordland. Die Fahrt führt vorbei an glitzernden Seen wie hohen Gipfeln – der Weg ist hier wirklich das Ziel! Die Region ist eine der wildesten Gegenden Neuseelands. Teils unerschlossene Landstriche mit frei wuchernden Pflanzen und hohen Bäumen sorgen für eine unverwechselbare Ursprünglichkeit. Das Fiordland bildet zusammen mit anderen Nationalparks das Te Wahipounamu World Heritage Area, ein UNESCO Welterbe. Die nebelverwobenen Gipfel unzähliger Berge spiegeln sich im glasklaren Gletscherwasser, tosende Wasserfälle wirbeln Dunstwolken auf und die Sonne strahlt majestätisch herab. Nimm dir ein Kanu und paddele durch die beiden bekanntesten Fjorde:Milford Sound und Doubtful Sound. Fast nirgendwo auf der Welt kommst du ungezähmten Naturgewalten so nahe wie hier. Irgendwann geht es jedoch leider zurück in die Realität, denn hier endet die Reise durch Neuseeland. Den Mietwagen kannst du in Queenstown abgeben und per Flugzeug geht es zurück nach Auckland und nach Hause.
Auf der Suche nach dem Ring
Auf den Spuren der epischen Fantasy-Filmreihe


Kia Ora – Willkommen in Neuseeland!
Bevor du deinen Roadtrip startest, gönn dir nach dem Flug erst einmal eine kleine Verschnaufpause. "Kia Ora" bedeutet "Hallo" auf Māori, der Sprache der Ureinwohner Neuseelands. In Auckland kannst du einen Einblick in deren faszinierende Kultur gewinnen, indem du durch das Auckland Museum streifst und ein erstes Gefühl für das Magische dieses Landes erhaschen kannst – eine Magie, die ganz ohne Tolkiens ausgeklügelte Welten auskommt und auf einer Jahrhunderte alten Kultur beruht. Genieß das Großstadtflair in Auckland und probier das ein oder andere Craftbier – oder eine Tasse Craftkaffee. Die Kiwis, so der Spitzname der Neuseeländer, sind verrückt nach der Bohne! Getrunken wird überwiegend Flat White, eine Variation des Cappuccinos, deren Grundlage ein doppelter Espresso mit feinem Milchschau ist. Wo genau der Flat White seinen Ursprung hat, ist Teil von angeregten Diskussionen zwischen Australiern und Neuseeländern. Doch wer auch immer nun für das köstliche Getränk verantwortlich ist, wichtig ist nur: Es schmeckt und spendet Energie für den Trip.
Große Füße und viel Hunger
Von Auckland aus startest du deine Reise auf den State Highways 1 und 2. Anschließend geht es auf dem State Highway 27 bis nach Matamata. Anhand der Landschaft erkennst du schnell, in welchem Teil von Mittelerde du gelandet bist: Die sanften, mit saftig grünem Gras bewachsenen Hügel heißen dich im Auenland willkommen. Etwas außerhalb von Matamata erstreckt sich auf einem Bauernhof eine kleine Ansiedlung –Hobbiton. Das idyllische Hügelland diente für die Dreharbeiten sowohl der Herr der Ringe- als auch der Hobbit-Filme als Ausgangspunkt, um eine märchenhafte Fantasiewelt zu gestalten. Und tatsächlich ist es schwer zu glauben, dass die Landschaft real ist und nur mit den kleinen Häuschen versehen werden musste. Fans der gemütlichen und friedfertigen Hobbits sollten diesen Stopp nicht verpassen und die geführte Tour miterleben. Es ist der perfekte Ort für Urlaubsfotos mit witzigen Posen. Außerhalb des Hobbit-Tourismus hat die Gegend um Matamata noch weitere Naturspektakel zu bieten, wie die Opal Hot Springs – heiße Thermalquellen, ideal, um Kraft zu tanken für die weitere Reise.


Auf nach Mordor!
Der Weg nach Mordor führt über den State Highway 1 in Richtung Süden. Unterwegs wird dich der Lake Taupo, der größte See des Landes, verzaubern. Mit einer Länge von 46 Kilometern prägt er die Landschaft und ist flächenmäßig größer als Singapur. In der Nähe von Taupo, etwa anderthalb Kilometer entfernt, befinden sich die Huka Wasserfälle, deren schiere Naturgewalt beeindruckt – hier stürzen pro Sekunde 220.000 Liter Wasser in die Tiefe! "One does not simply walk into Mordor" – naja, eigentlich geht das schon. In Taupo ist es trotz Boromirs Warnung erstaunlich leicht, das von Orks verteidigte Land zu betreten, die sind nämlich nirgendwo zu sehen. Der Tongariro National Park diente als Kulisse für das Reich des dunklen Herrschers Sauron. Die Vulkane Tongariro, Ngauruhoe und Ruapehu sind immer noch aktiv und der Wanderweg Tongariro Alpine Crossing durch die karge Natur ist absolut spektakulär. Highlight dieses Ausflugs ist der kegelförmige Ngauruhoe, besser bekannt als der Schicksalsberg. Es ist sogar möglich, ihn zu besteigen. Auch wenn du keinen Ring dabeihast, den du ins Feuer werfen kannst, wirst du mit einem phänomenalen Ausblick belohnt.
Wind, Wälder und merkwürdige Wesen
Der Weg von Taupo führt über den State Highway 1 durch die Nordinsel bis zu ihrer südlichen Spitze,Wellington. Auf der Strecke begegnen dir mächtige Bergketten, üppige Landschaften und süße Städtchen. Zwischenstopps auf dieser etwa fünfstündigen Fahrt sind ein Muss! So liegt der Wald von Osgiliath auf der Strecke und heißt eigentlich Waitarere Forest. Kurz nach der Ankunft in Wellington wird dir sicher auch bewusst, warum die südlichste Hauptstadt der Welt den Beinamen "Windy City" trägt. Hobbitohren gut festhalten, denn der Mount Victoria und seine umliegenden Wälder dienten im Film als Wald von Hobbiton. Auch die Gärten Isengarts verstecken sich in Wellington, nämlich im Harcourt Park; der Hutt River wurde zudem zum Fluss Anduin. Auf Tagestouren in den Kaitoke Regional Park kannst du Bruchtal entdecken. Wenn du gen Osten fährst, wird es etwas düsterer und du betrittst die Pfade der Toten in den Putangirua Pinnacles. Du siehst schon: In und um Wellington gibt es viel zu entdecken, rechne daher mit einem Aufenthalt von einigen Tagen, bevor es weiter auf die Südinsel geht.


Unzerstörbarer Optimismus
Von Nelson aus geht es über die State Highways 6 und 7 in das etwa fünfeinhalb Stunden entfernte Canterbury County. Dort ist die Stadt Christchurch der perfekte Ausgangspunkt, das eigentliche Ziel sind aber die Felder von Pelennor und Edoras. Beide befinden sich wortwörtlich sehr, sehr weit abseits: Sie sind Bestandteil des "Erewhon Park", was umgedreht "nohwere", also "Nirgendwo" bedeutet. Die winzige Hakatere Potts Road ist nicht asphaltiert, ein geländegängiger Mietwagen empfiehlt sich daher. Der hier gelegene Mount Sunday ist von seiner Naturschönheit schon beeindruckend genug. Filmfans kennen ihn etwas anders, dort wurde nämlich das Set der Reiterstadt Edoras aufgebaut, wovon heute allerdings nichts mehr zu sehen ist. Die Felder von Pelennor, auf denen die Schlacht von Minas Tirith im Krieg des Ringes ausgetragen wurde, liegen nahe der Kleinstadt Twizel. Wer die surreale Landschaft erspäht, erkennt sofort, warum Regisseur Peter Jackson sie als Filmkulisse wählte. Durch ihre karge Vegetation wirken die Felder ebenso befremdlich wie episch. Um die Zeit effektiv zu nutzen, besuche die Felder am besten, während du dich auf den Weg nach Queenstown machst.

