Für die Einreise nach Estland benötigen EU-Bürger lediglich ihren Personalausweis. Um Estland mit dem Mietwagen zu erkunden, genügt der seit 1999 in allen Ländern der Europäischen Union ausgegebene EU-Führerschein. Als Inhaber oder Inhaberin eines älteren Führerscheins sollten Reisende zusätzlich einen internationalen Führerschein im Gepäck haben. Zudem muss bei Polizeikontrollen durch die sogenannte "Grüne Karte" der Versicherungsschutz nachgewiesen werden. Auch die Fahrzeugpapiere müssen im Original vorliegen. Bei den meisten Autovermietungen liegt das Mindestalter zwischen 21 und 25 Jahren. Jüngere Fahrer und Fahrerinnen erwartet oft eine zusätzliche Gebühr.
Wie in allen Ländern Kontinentaleuropas gilt auch in Estland Rechtsverkehr. Zu den strengen Regeln für Leihwagenfahrende gehören in Estland die 0,0-Promille-Grenze für Alkohol und ein absolutes Handyverbot am Steuer. Die Polizei versucht, mit häufigen Kontrollen die Einhaltung dieser Regeln zu erzwingen, weshalb insbesondere Fahrer und Fahrerinnen aus dem Ausland zur Vorsicht angehalten sind. Die Tempolimits betragen innerorts 50 km/h, außerorts 90 km/h und auf der Autobahn 110 km/h, soweit dies nicht anderweitig ausgeschildert ist. Es gibt keine Pkw-Maut in Estland.
Gelbe Ampeln sind in Estland als rote zu sehen und dürfen in keinem Fall überfahren werden. Das Abblendlicht muss beim Fahren immer eingeschaltet sein. Darüber hinaus dürfen Fahranfänger und -anfängerinnen mit weniger als zwei Jahren Praxis maximal 90 Stundenkilometer fahren. Grundsätzlich sind die Straßenverhältnisse in Estland gut, wenngleich nicht alle Routen asphaltiert sind und es gerade in der Nähe des Peipussees manchmal etwas holprig wird.
Urlauber und Urlauberinnen, die mit dem Mietwagen über die Grenze Estlands reisen möchten, müssen Auslandsfahrten bereits vorab anmelden. In der Regel fallen dafür zusätzliche Kosten an. In welche Länder Mietwagenfahrende einreisen dürfen, hängt von der jeweiligen Autovermietung ab. Fahrten nach Lettland und Litauen, die nur von der Fahrzeugklasse abhängig sind, stellen jedoch kein Problem dar. Sixt teilt Länder beispielsweise in verschiedene Zonen ein. Während Litauen und Lettland in Zone 1 problemlos angefahren werden dürfen, gelten für Zone 2, 3 und 4 bestimmte Einreisebeschränkungen. Fahrten nach Kaliningrad und Russland sind hingegen bei vielen Anbietern nicht erlaubt, hier bietet sich die Anmietung eines Leihwagens nach Grenzübertritt an.
Für Besucher und Besucherinnen aus Mitteleuropa ist Estland ein besonders angenehmes Reiseziel, denn aufgrund seiner exzellenten Verkehrsanbindung an den Rest des Kontinents ist es von vielen Ländern aus hervorragend zu erreichen. Auch im Inneren zeichnet sich das kleinste Land des Baltikums durch ein gut ausgebautes Straßennetz aus, was Reisenden angenehme Entdeckungstouren mit dem Mietwagen ermöglicht. Neben seiner wunderschönen Landschaft und den rund 2.000 Inseln im Westen des Landes sind es vor allem die eindrucksvollen historischen Städte, die so charakteristisch für Estland sind – allen voran Tallinn und Tartu.
Tallinn ist die bevölkerungsreichste Stadt und durch ihre Lage direkt am Finnischen Meerbusen zugleich der wichtigste Hafen des Landes. Die Altstadt der alten Hansemetropole gehört zu den besterhaltenen mittelalterlichen Stadtkernen Europas und wurde daher 1997 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Die zahlreichen schmalen Kopfsteingassen, gotischen Kirchtürme und faszinierenden Stadthäuser der Händler aus den Tagen der Hanse: All das lässt erahnen, wie das Leben der Menschen hier im Mittelalter einmal ausgesehen haben mag. Auch das etwa zweieinhalb Autostunden südöstlich von Tallinn gelegene Tartu ist unbedingt einen Besuch wert. Die zweitgrößte Stadt Estlands gilt als intellektuelles und kulturelles Zentrum des Landes. Hier steht auch die älteste und renommierteste Universität Estlands, die zugleich eine der ältesten in ganz Nordeuropa ist.