Die Gegend um Warschau ist seit dem 9. Jahrhundert durch verschiedene Vorgängersiedlungen befestigt, um das Jahr 1300 wurde schließlich die heutige polnische Hauptstadt gegründet. Nachdem sie mehr und mehr an Bevölkerung und Wichtigkeit gewonnen hatte und zur Residenzstadt der polnischen Krone ernannt worden war, schlossen sich viele Konflikte und Kriege an, die Brandschatzung, Plünderung und Zerstörung mit sich brachten. Der bewundernswerte, unbeeindruckte Trotz Warschaus und seiner Bewohner ist durch die unzähligen Rekonstruktionen und Wiederaufbauten der Stadt schon legendär geworden und hat ihr den Kosenamen „Phoenix-Stadt“ beschert. Die Fähigkeit des Ersteigens aus der Asche ist in der bislang letzten und schwersten Leidensprüfung buchstäblich geprüft worden, denn nach dem Abzug der Nationalsozialisten waren 80 Prozent der Gebäude Warschaus nur noch Ruinen. In einer gerühmten Umsetzung des Beschlusses, die Innenstadt aufs Genaueste zu rekonstruieren, wurden weite Teile der historischen, architektonischen Tragweite des Stadtbildes wiederhergestellt und 1980 gelangte die so erneut erstrahlende Warschauer Altstadt auf das Verzeichnis des Weltkulturerbes der UNESCO.
Warschau befindet sich leicht östlich im ungefähren Zentrum des polnischen Staates. Die Hauptstadt des polnischen Staates liegt an dessen längstem Strom, der Weichsel, die sich viele Kilometer weiter nördlich in die Danziger Bucht der Ostsee ergießt. Sie ist mit 1,7 Millionen die bevölkerungsreichste Stadt Polens und außerdem Zentrum Masowiens, der größten der 16 Woiwodschaften des Landes. Das außergewöhnlich beliebte städtetouristische Ziel Warschau ist eine der kulturell und wirtschaftlich bedeutendsten Städte Mittel- und Osteuropas und der Europäischen Union.
Die Altstadt Warschaus erstrahlt heute wieder in ihrem ursprünglichen Glanz und offenbart wie kein anderer Distrikt die historische Dimension der Hauptstadt. Am Schlossplatz, von dem sich die architektonische Pracht in jede Richtung entfaltet, steht mit dem mächtigen Warschauer Königsschloss der ehemalige Sitz der polnischen Monarchen, deren Säle rekonstruiert wurden und die königlichen Appartements, sowie eine bedeutende Gemäldesammlung beherbergen. Von diesem zentralen Platz aus, an dem die barocke Sigismundssäule in den Himmel ragt, lassen sich diverse Attraktionen zu Fuß entdecken. Besonders bedeutend ist er zudem als Ausgangspunkt des Warschauer Königsweges, der sich von hier aus 10 km lang durch die Stadt und entlang der Weichsel zieht. Dabei passiert er in unvergleichlicher Fülle Bauwerke jeglichen Stils, in der Krakauer Vorstadt sind es unter anderen der Präsidentenpalast, die Kunstakademie und der historische Campus der Universität.
Eine unbeschreiblich große Vielfalt an weiteren Palästen, Denkmälern und Kirchen entspannt sich zu beiden Seiten dieses Repräsentationsweges, der zu einem kulturellen Flanieren einlädt, dessen sich kein Besucher Warschaus entziehen sollte. Interessierte, die diese Aufgabe nicht scheuen und tatsächlich meistern, werden am Ziel ein letztes Mal entlohnt durch den Anblick des Wilanów-Palastes, dessen kunstvoll verzierte Fassaden sich am Ende des Königsweges in einem schönen barocken Schlosspark erheben. In den prunkvollen Räumlichkeiten feierte schon August der Starke seine berühmten Gelage, nachdem er neben der sächsischen auch die polnische Königswürde erlangt hatte. Der Monarch gründete auch den Sächsischen Garten, Warschaus älteste öffentliche Parkanlage und eine der ersten von Herrscher Gnaden angelegten und für die Bevölkerung zugänglichen Grünanlagen der Welt. Die schönste und größte Anlage dieser aber ist Łazienki-Park, der mit seinen vielen kleinen Palastbauten und dem romantischen Łazienki-See ebenfalls an den Königsweg grenzt.
Der Warschauer Marktplatz, dessen vier Flanken im ursprünglichen Erscheinungsbild des 17. Jahrhunderts rekonstruiert wurden, ist das Herz der Stadt und Ausgangspunkt vieler Erkundungstouren. Die vier bebauten Seiten des Platzes haben alle ihren eigenen Namen und in der Gesamtheit der nördlichen Dekert-Seite, die nach dem Zweiten Weltkrieg noch am besten erhalten war, befindet sich heute das Historische Museum der Stadt Warschau. In seiner umfangreichen Schau der älteren und jüngeren Geschichte der Hauptstadt sollte womöglich der erste Halt gemacht werden, um den Wandel der verschiedenen Zeitalter Warschaus im Geringsten begreifen zu können. Überdies ist ein Besuch des Nationalmuseums dringend angeraten, dessen gigantische Sammlung abendländischer Meister der Malerei im ganzen Land Ihresgleichen sucht. Im romantischen Ostrogski-Palast hat die Chopin-Gesellschaft ein Museum eingerichtet, das ihrem weltberühmten Namensgeber huldigt.
Durch das kontinentale Klima Warschaus erwarten den Besucher ausgeprägte Jahreszeiten, den kalten Wintern mit durchschnittlichen - 3 °C im Januar stehen warme Sommer gegenüber. Da der heißeste Monat Juli im Schnitt zwar 20 °C aufweist, aber auch die höchsten Niederschlagsraten produziert, ist Warschau normalerweise am schönsten im Frühling und Herbst zu erleben. Monate wie Mai oder September bieten bei mittleren Temperaturen von 14 °C und viel Sonnenschein optimale Voraussetzungen für einen kulturellen Besuch Warschaus, wenn die vielen Blumen auf den Grünflächen der Stadt hier in erster oder dort in letzter Blüte stehen.
Der Chopin-Flughafen Warschau befindet sich etwa 10 km außerhalb der Stadt in der südwestlichen Ansiedlung Okęcie. Mit Abstand betriebsamster Airport Polens, fertigt der Chopin-Flughafen knapp unter der Hälfte der gesamten Passagiere des Landes ab. Um den geschäftigen Standort, der an der oberen Grenze seiner Leistungsfähigkeit agiert, zu entlasten, wird bis voraussichtlich 2013 der ehemalige Militärflugplatz Modlin für den Zivilverkehr umgebaut. Vor allem die Maschinen der Billigfluganbieter sollen auf das etwa 35 km nördlich gelegene Areal verlegt werden. Es existieren aus Deutschland überdies hervorragende Zuganbindungen zum Warschauer Zentralbahnhof, etwa mittels des in Kooperation mit der Deutschen Bahn betriebenen Berlin-Warszawa-Expresses.
In der direkten Umgebung Warschaus und über ganz Masowien verteilt findet die Pracht der polnischen Hauptstadt ihre Fortsetzung in verschiedensten kleineren Orten, Parkanlagen, Burgen und Schlössern. Der Jabłonna-Palast mit seinen englischen Gärten ist nur etwa 18 km nördlich von Warschau entfernt. Seine Säle und Grünflächen sind nicht nur bei einheimischen Hochzeitsgesellschaften für ihre Feierlichkeiten beliebt, sondern auch bei interessierten Besuchern aus aller Welt als schönes Beispiel der neoklassizistischen Architektur und beschaulicher Rückzugspunkt. Wenn man entlang der Weichsel Richtung Südosten fährt, erreicht man nach 30 km die Burgruine von Czersk, die aus dem 14. Jahrhundert stammt und von dem 500jährigen Czersker Stadtrecht zeugt, das schließlich durch die Russen entzogen wurde.
In der hügeligen, idyllischen Landschaft westlich von Warschau schließlich findet sich in dem Ort Żelazowa Wola das Geburtshaus des Komponisten Frédéric Chopin, dessen Erbe hier auf vielerlei Weise gedacht wird. Rund um sein Bronzedenkmal erstreckt sich eine Parkanlage, in der saisonale Konzertveranstaltungen mit seiner berühmten Klaviermusik stattfinden, genauso wie in den Räumlichkeiten, in denen ein Museum errichtet wurde.
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