Ab dem 12. Jahrhundert war Bergen die norwegische Krönungsstadt und damit auch lange Zeit wirtschaftliches Zentrum des Landes. Bis 1880 sollte sich Bergen als bedeutendste Hafenstadt behaupten und zur größten Stadt Norwegens entwickeln. Diese Entfaltung fand jedoch ein jähes Ende durch mehrere Brände, vor allem dem großen Brand im Jahr 1916, bei dem die Stadt fast gänzlich vernichtet wurde. Ökonomisch profitierte Bergen damals wie heute von der Werft- und Fischindustrie, seit der Auffindung von Ölquellen jedoch ebenso von der Förderung des fossilen Brennstoffes. Heute ist Bergen mit über 260.000 Einwohnern nach Oslo die zweitgrößte Stadt Norwegens.
Bergen ist eine Hafenstadt und ruht am Inneren Byfjord an der Westküste Norwegens. Sie ist in horizontaler Breite etwas nördlicher gelegen als die Hauptstadt Oslo. Bergen ist eine Kommune der Provinz Hordaland und bildet deren Verwaltungssitz.
Die Sehenswürdigkeiten in Bergen stehen in enger Verbindung mit der Historie des Landes. So zählt Bergens Stadtviertel Bryggen zu den bedeutendsten Orten ganz Norwegens. Das in der typischen Holzbauweise entstandene Hafenviertel, das bei den Stadtbränden mehrmals nicht verschont blieb, wurde nach jeder Zerstörung entsprechend der originalen Baupläne wiedererrichtet. Das Profil ist daher heute noch dasselbe wie im 12. Jahrhundert und in seiner charmanten Art ist das Viertel mit seinen bunten Häuserfronten die bedeutendste Sehenswürdigkeit der Stadt. Auch aus diesem Grund wurde der Hafen Bryggen 1979 als Beispiel der hanseatischen Baukunst Norwegens durch die UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt.
Eine Besichtigung der aus dem Jahre 1150 stammenden romanischen Domkirche St. Olav und der romanischen Basilika Marienkirche ist bei Interesse an Architektur angeraten. Beide Gebäude zählen, da aus Stein gebaut, zu den ältesten der Stadt. Darüber hinaus gelten die Festung Bergenhus sowie die Håkonshalle zu den Highlights der Stadt und zu den am besten erhaltenen Bauwerken ganz Norwegens. Während die Festung noch bis in den zweiten Weltkrieg hinein ausgebaut und verwendet wurde, finden im ehemaligen Königsquartier heutzutage friedlichere Ereignisse, wie Konzerte, statt. Weiterhin ist der traditionelle Fischmarkt zu besuchen, auf dem um die unterschiedlichsten Fischsorten und Meeresfrüchte gefeilscht werden darf.
In der Nähe des Fischmarktes liegt auch die Talstation der Hochseilbahn. Unbedingt sollte eine Fahrt mit dieser berühmten Fløibanen unternommen werden. Von dem auf 320 Metern gelegenen Aussichtspunkt Fløyen kann man einen sagenhaften Blick über die gesamte Stadt einschließlich des Hafens genießen. Für Familien empfiehlt sich ein Besuch im Aquarium, in dem die zuvor auf dem Fischmarkt betrachteten Spezies in lebendiger und kinderfreundlicher Version vorgefunden werden können. Für Kunstliebhaber bietet sich das Bergen Kunstmuseum an, in dem unter anderem Werke des norwegischen Malers Edvard Munch ausgestellt sind, dessen berühmtes Bild „Der Schrei“ nicht nur Kunsthistorikern ein Begriff ist. In dem im Jugendstil erbauten Nationaltheater Den Nationale Scene finden jährlich über 500 Aufführungen der verschiedensten Art statt. Wer der norwegischen Sprache mächtig ist, sollte sich ein Stück in dieser antiken Atmosphäre keinesfalls entgehen lassen. Als Tribut an einen norwegischen Musiker von Weltrang wartet die Statue des berühmten Komponisten Edvard Grieg auf, dessen Wohnsitz außerdem ein schönes Ziel in der Umgebung darstellt.
Obwohl Norwegen auf dem gleichen Breitengrad wie Alaska, Grönland und Sibirien liegt, herrscht im Vergleich zu diesen Gegenden in ein überraschend gemäßigtes Klima. Der Grund hierfür ist der Golfstrom, der entlang der Küste nach Norden fließt. Zwischen Ende Juni und Anfang August sind die Tage in Norwegen am längsten, hellsten und wärmsten. Im Juli und August klettert das Thermometer sogar mancherorts auf 25 bis 30 °C hinauf. Allerdings kann das Sommerwetter vor allem in Westnorwegen und somit auch in Bergen sehr feucht und unbeständig sein. Die Stadt ist mit circa 2500 mm Niederschlag an 248 Regentagen im Jahr die „regenreichste Großstadt Europas“. Aus diesem Niederschlag resultiert jedoch auch Positives, denn von Mai bis Mitte Juni ist Norwegens Landschaft äußerst spektakulär: Bäume und Blumen erwachen zum Leben und neben den Niederschlägen lässt das Schmelzwasser aus dem Gebirge die Wasserfälle anschwellen. Darüber hinaus blühen im Mai die Obstbäume entlang des Hardangerfjords und vermitteln ein Gefühl, im Garten Eden zu sein. Und sei dies nicht ausreichend, so werden zum Frühlingsbeginn an der Küste Westnorwegens die höchsten Temperaturen gemessen, was diesen Zeitraum – neben den Sommermonaten – zur besten Reisezeit für Bergen werden lässt.
Bergen besitzt seit 1955 einen eigenen Flughafen, der sich mittlerweile zum zweitgrößten Start- und Landeplatz Norwegens entwickelt hat. Der Bergen Lufthavn liegt 15 km südlich vom Stadtzentrum, wodurch dieses mit dem Mietwagen schnell und einfach erreichbar wird. Wer mehr Zeit hat, kann selbstverständlich auch über dem Landweg nach Bergen einreisen. So ist die Zugreise von Oslo aus, durch die Weiten Norwegens, vorbei an entlegenen Seen und faszinierenden Gebirgszügen, ebenso beliebt, wie das Zurücklegen der Strecke mit dem Auto. Auch eine traditionelle Anreise mit dem Schiff durch die Fjorde kann sehr spannend sein.
Wer auch in der Umgebung weiterhin auf historischen Pfaden wandern möchte, sollte zur Griegvilla fahren. Das ehemalige Wohnhaus des Komponisten Edvard Grieg wurde mittlerweile in ein Museum umfunktioniert, welches in nahezu ursprünglichem Zustand einen aufschlussreichen Einblick in die intime Sphäre des Genies bietet. Gelegen in Troldhaugen ist das historische Juwel nur 10 km von Bergens Stadtzentrum entfernt. Auch die letzte Ruhestätte des romantischen Musikers ist in diesem Ort zu finden und kann bei einem Museumsbesuch gleich mit in die Besichtigung eingereiht werden.
Früher war die Fahrt mit dem Schiff die einzige Möglichkeit, das Gebiet der Fjorde zu erreichen. Heute ermöglichen gut ausgebaute Straßen eine einfache Anreise aus allen Ecken Norwegens. Besonders Bergen gilt als das Tor zu Norwegens Fjorden, die nun auf die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen wurden. Da Bergen genau zwischen dem längsten Fjord Sognefjord – der Meeresarm erreicht eine Ausdehnung von 204 km – und dem schönen Hardangerfjord gelegen ist, können Sie diese auch einfach mit Ihrem Mietwagen erreichen. Der Sognefjord liegt ungefähr 200 km nördlich von Bergen, die Fahrt zum Fjord führt über eine der wunderschönen Panorama-Gebirgsstraßen und bietet Ihnen zahlreiche Möglichkeiten, die atemberaubende Landschaft zu genießen. Der Fjord bahnt sich seinen Weg von der Westküste nördlich von Bergen ins Landesinnere bis zu den Bergen des Jotunheimen Nationalparks und den Gletschern des Jostedalsbreen Nationalparks. Wer lieber einen Kurztrip unternehmen will, der sollte zum mit 100 km Entfernung näher gelegenen Hardangerfjord aufbrechen. Vor allem im Frühjahr lohnt sich die Fahrt, da zu dieser Zeit die Obstbäume blühen. Die Region lädt darüber hinaus in allen Jahreszeiten zum Wandern auf Hochebenen oder Gletschern ein, ebenso wie zu einer Entdeckungstour auf dem Wasser mit dem Kajak oder Rafting-Boot.
Denken Sie bitte daran, dass in ganz Norwegen das Wetter sehr schnell umschlagen kann. Zu jeder Jahreszeit sollten Sie gut vorbereitet sein und immer festes, wasserabweisendes Schuhwerk und warme Kleidung dabei haben.
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